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weinlotKI

Tischlermeister mischt KI und Weinmarkt auf

von Dominik Mayrhofer

Ich bin Tischlermeister. Mein Werkzeug war viele Jahre aus Stahl und Holz: Hobel, Säge, Stemmeisen. Inzwischen ist ein neues dazugekommen, und damit habe ich einen Online-Marktplatz für Wein gebaut. Ohne Programmierteam. Ohne Softwarefirma. Mit künstlicher Intelligenz.

Am 29. März 2026 ist die erste Fassung von weinlot.com entstanden. Vier Wochen später hat sich der erste fremde Mensch angemeldet. Sieben Monate danach handeln dort Privatleute, Händler und Weingüter aus Österreich und Deutschland.

Dominik Mayrhofer mit einem Glas Rotwein
Dominik Mayrhofer, Tischlermeister und Gründer von weinlot.com

Warum ausgerechnet ein Tischler?

Weil ich ein Problem kannte, das mir niemand gelöst hat. Ich bin Sachverständiger für Türen, Parkett und Möbel, Weinhändler, und seit 2023 führe ich mit meiner Partnerin das Stehachterl in Ried, eine Weinbar, die es seit 1999 gibt. Wer so viel mit Wein zu tun hat, sieht jeden Tag, wie umständlich der Handel mit besonderen Flaschen ist.

Wer bei einer klassischen Weinauktion kauft, zahlt oft ein Aufgeld von rund einem Fünftel obendrauf. Wer seinen Keller auflösen will, verkauft an einen Ankäufer, der selbst noch verdienen muss. Und wer einfach wissen will, was im eigenen Keller liegt, führt eine Liste, die nach drei Monaten nicht mehr stimmt.

Also habe ich gebaut, was ich selbst haben wollte.

Was weinlot.com kann

  • Ein Marktplatz für Wein, zum Fixpreis oder per Auktion. Käufer zahlen keine Gebühr, das Einstellen ist kostenlos. Erst wenn ein Wein verkauft ist, fällt eine Provision an.
  • Eine kostenlose Kellerverwaltung. Etikett fotografieren, die KI erkennt den Wein. Die App zeigt das Trinkfenster, erinnert rechtzeitig und weiß, auf welchem Platz im Weinkühlschrank jede Flasche liegt. Wie das aussieht, zeige ich in diesem Beitrag.
  • Ein Verkaufsweg für Weingüter ohne Mehrarbeit. weinlot übernimmt auf Wunsch das Sortiment aus dem eigenen Onlineshop und gleicht Preise und Verfügbarkeit täglich ab.

Das alles gibt es im Browser und als App für iPhone und Android.

Die Werkstatt in Zahlen

So sieht ein gutes halbes Jahr Arbeit aus, gezählt am 23. Oktober 2026:

  • 1.017 Änderungen am Code seit dem 29. März
  • über 140.000 Zeilen Code
  • 161 Umbauten an der Datenbank
  • 170 Dateien mit automatischen Tests, dazu ein Prüflauf, der jede Nacht die fertige Seite durchklickt

Und auf der Plattform selbst:

  • knapp 80 registrierte Nutzerinnen und Nutzer
  • rund 300 Weinangebote von 13 Anbietern, darunter fünf Weingüter und ein Fachhändler
  • über 400 Flaschen in den digitalen Kellern
  • die ersten Verkäufe, auch zwischen Privatleuten

Das ist kein Einhorn. Das ist ein Fundament. Und im Handwerk weiß man: Auf ein gutes Fundament kann man bauen.

Wie ein Handwerker mit KI Software baut

Ich werde oft gefragt, wie das geht. Die ehrliche Antwort: ziemlich ähnlich wie in der Werkstatt.

Maß nehmen. Bevor etwas entsteht, muss klar sein, was gebaut wird. Wer der KI ungenau sagt, was er will, bekommt etwas Ungenaues. Genau wie beim Tischler, der ohne Plan zuschneidet.

Zweimal messen, einmal schneiden. Jede Änderung muss erst sauber durchlaufen, bevor sie online geht, und jede Nacht prüft ein automatischer Durchlauf die Live-Seite. Fehler passieren trotzdem. Aber sie fallen früh auf.

Die KI ist der Geselle, nicht der Meister. Sie schreibt in Minuten Code, für den ich allein Wochen gebraucht hätte. Entscheiden, prüfen und dafür geradestehen muss trotzdem ich. Eine Funktion für Marktpreise habe ich zum Beispiel wieder gestrichen, weil es dafür noch keine verlässlichen Daten gab. Lieber ehrlich als schön.

Feinschliff. Die letzten zehn Prozent machen den Unterschied, beim Möbelstück wie bei der App. Die Ansicht des Weinkühlschranks habe ich so lange überarbeitet, bis jede Zahl gestochen scharf war.

Weinkühlschrank in der Kellerverwaltung von weinlot: Flaschenböden in der Farbe des Weins, auf jedem der Jahrgang
Der Weinkühlschrank in der Kellerverwaltung, jede Farbe ein Weinstil (Beispielkeller)

Was das Handwerk daraus mitnehmen kann

Ich bin überzeugt: KI ersetzt keinen Handwerker. Aber sie gibt Handwerkern Werkzeuge, die bis vor Kurzem nur große Firmen hatten.

  • Fachwissen schlägt Programmierwissen. Wer seinen Betrieb kennt, weiß, wo Zeit verloren geht. Genau dort lohnt sich KI.
  • Klein anfangen. Eine Aufgabe, ein messbarer Nutzen. Nicht gleich den ganzen Betrieb umbauen.
  • Die Verantwortung bleibt beim Meister. Was die KI vorschlägt, prüft ein Mensch.
  • Daten gehören ins Haus. Wo es um Pläne, Preise und Kundendaten geht, kann KI auch lokal laufen, ohne Cloud.

Genau das mache ich seit heuer auch für andere: Ich richte KI in Handwerksbetrieben ein, dort, wo sie wirklich hilft. Mehr dazu unter KI für Handwerksbetriebe.

Und jetzt?

Wenn Sie Wein sammeln, probieren Sie den kostenlosen Keller auf weinlot.com aus. Wenn Sie Flaschen loswerden wollen, stellen Sie sie kostenlos ein. Und wenn Sie in Ried sind: Im Stehachterl erzähle ich die ganze Geschichte gern bei einem Glas.

Falls Ihnen der Beitrag gefallen hat, teilen Sie ihn mit einem Handwerker, der glaubt, KI sei nichts für ihn.

Prost!